Sehen

Die Arbeitsplatzbrille — und wer sie bezahlt

Acht Stunden auf eine Entfernung, für die weder Deine Fernbrille noch Deine Lesebrille gemacht ist. Es ist das einzige Thema in unserem Angebot, bei dem am Ende oft nicht Du die Rechnung trägst, sondern Dein Arbeitgeber.

Was eine Arbeitsplatzbrille ist

Im Gesetz heißt sie spezielle Sehhilfe für die Arbeit an Bildschirmgeräten, im Laden Arbeitsplatzbrille, Bildschirmbrille oder Bildschirmarbeitsplatzbrille. Gemeint ist immer dasselbe: ein Glas, das auf die Entfernungen gerechnet ist, in denen Du arbeitest — und nicht auf die Ferne.

Dein Monitor steht meist 60 bis 80 Zentimeter weg, die Tastatur näher, der Kollege gegenüber weiter. Wir messen aus, wie weit Dein Bildschirm wirklich steht — nicht, wie weit er stehen sollte. Wer zwei Monitore nebeneinander hat, tief sitzt oder viel auf Papier daneben schaut, bekommt andere Werte als der Ergonomie-Ratgeber vorgibt.

Nicht jeder braucht eine

Wenn Deine normale Brille am Bildschirm gut funktioniert, ist die Arbeitsplatzbrille kein Muss — und wir sagen Dir das auch. Sie wird meist dann zum Thema, wenn die Nähe nachlässt, in der Regel ab Mitte vierzig. Oder wenn Du mit einer Gleitsichtbrille den Kopf heben musst, um den Monitor scharf zu bekommen.

Wer sie bezahlt

Das ist der Punkt, an dem sich diese Brille von jeder anderen unterscheidet. Grundlage ist die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge, kurz ArbMedVV.

Die drei Sätze, auf die es ankommt

  • Vorsorge anbieten — Für Bildschirmarbeit muss Dein Arbeitgeber Dir eine arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten (ArbMedVV, Anhang Teil 4 Absatz 2). Annehmen musst Du sie nicht.
  • Sehhilfe stellen — Ergibt diese Vorsorge, dass eine normale Brille für die Arbeit am Bildschirm nicht ausreicht, muss er Dir im erforderlichen Umfang eine spezielle Sehhilfe zur Verfügung stellen (§ 6 Absatz 2 ArbMedVV).
  • Kosten nicht abwälzen — Kosten für Maßnahmen des Arbeitsschutzes darf er Dir nicht auferlegen (§ 3 Absatz 3 Arbeitsschutzgesetz).

„Im erforderlichen Umfang“ heißt zweckmäßig und ausreichend — nicht die teuerste Fassung im Laden. Viele Betriebe setzen dafür einen festen Betrag an. Was darüber hinausgeht, weil Du eine bestimmte Fassung möchtest oder eine höherwertige Veredelung, zahlst Du selbst. Das rechnen wir Dir vorher auf, damit Du weißt, worüber Du entscheidest.

⚠️ Wir sind Augenoptiker, keine Rechtsberatung. Was in Deinem Betrieb konkret gilt, steht in der Betriebsvereinbarung oder sagt Dir die Personalabteilung. Manche Häuser zahlen deutlich mehr als das Nötige, andere genau das Nötige.

Erst die Zusage, dann die Brille

Der häufigste Fehler ist die Reihenfolge. Wer erst kauft und danach fragt, bleibt im Zweifel auf den Kosten sitzen — eine Zusage rückwirkend zu bekommen ist deutlich schwerer, als sie vorher einzuholen. Und herstellen können wir sie für Dich nicht.

Was Betriebe üblicherweise verlangen

  • Die Bescheinigung aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge — sie kommt vom Betriebsarzt, nicht von uns
  • Einen Kostenvoranschlag, bevor etwas bestellt wird. Den schreiben wir Dir
  • Eine Rechnung, auf der Gläser und Fassung getrennt ausgewiesen sind

Frag im Betrieb einmal nach, was gebraucht wird, und sag es uns beim Termin. Dann steht es gleich richtig auf dem Papier und Du musst nicht zweimal kommen.

Wie es bei uns abläuft

01

Augenprüfung

Ausführlich und in Ruhe. Erst wenn die Sehstärke steht, reden wir über Gläser.

02

Abstände messen

Bildschirm, Tastatur, Papier, Gegenüber. Wir nehmen Deine echten Entfernungen auf.

03

Glas und Fassung

Das passende Raumglas, dazu eine Fassung mit genug Höhe — und die Zentrierung darauf.

04

Rechnung einreichen

Du zahlst bei uns, bekommst die Rechnung und reichst sie bei Deinem Arbeitgeber ein.

Wir rechnen nicht direkt mit Betrieben ab

Keine Sammelbestellungen, keine Rahmenverträge: Du kommst wie jeder andere Kunde herein, wirst genauso beraten und bekommst eine Rechnung, die Du einreichen kannst. Für Dich ändert sich dadurch nichts außer der Frage, wer am Ende zahlt.

Welche Gläser in Frage kommen

Alle unsere Gläser kommen von Optovision. Für den Arbeitsplatz gibt es dort eine eigene Familie, die Raum- und Arbeitsplatzgläser. Sie unterscheiden sich nicht in der Qualität, sondern darin, auf welche Entfernung das Glas seinen Schwerpunkt legt.

Drei Auslegungen — welche ist Deine?

  • Lesen und Armlänge — Schwerpunkt bei etwa 50 Zentimetern. Für Papier, Tablet und Arbeit direkt vor Dir
  • Schreibtisch — Schwerpunkt bei etwa 80 Zentimetern. Der klassische Bildschirmarbeitsplatz: Tastatur, Monitor, Unterlagen daneben
  • Ganzer Raum — Schwerpunkt bei etwa zwei Metern. Für Büro, Werkstatt, Laden oder Praxis, wo Du auch mal zum Kollegen und zur Tür schaust

Zum Vergleich: Eine Gleitsichtbrille ist auf die Ferne ab etwa zwei Metern ausgelegt und deckt Nähe und Zwischenbereich mit ab — sie ist der Allrounder. Die Arbeitsplatzbrille dreht das um und gibt Deiner Arbeitsentfernung den größten Platz im Glas.

Als Einstärkenglas geht es auch. Wenn Du im Wesentlichen auf eine Entfernung scharf sehen musst, ist das der einfachste und günstigste Weg: voller Bereich, keine Zonen. Und in der aufwendigsten Stufe wird das Glas individuell auf Deine gemessenen Abstände gerechnet — das ist bei den Raumgläsern das, was WIDR me bei der Gleitsicht ist.

Dazu kommt die Frage der Veredelung. Eine gute Entspiegelung bringt am Bildschirm oft mehr als jeder Filter: Mit einem Fenster im Rücken ist jede Spiegelung auf der Glasrückfläche ein zweites, schwaches Bild in Deinem Blickfeld.

Blaulichtfilter — die ehrliche Einschätzung

Das Material Protect Blue gibt es auch für das Arbeitsplatzglas; es nimmt kurzwelliges blaues Licht und UV heraus. Ein Blaufilter kann das Bild ruhiger machen und wird von vielen als angenehm empfunden. Ein Ersatz für die richtige Entfernung und für Pausen ist er nicht. Wir bauen ihn gern ein, verkaufen ihn Dir aber nicht als Heilmittel. Wer abends zusätzlich spielt, findet die Tönungen unter Gaming-Gläser.

Wenn Du schon Gleitsicht trägst

Eine Gleitsichtbrille ist ein Kompromiss über alle Entfernungen. Ihr Zwischenbereich liegt unten und ist schmal — für den Blick auf einen Fahrplan reicht das, für acht Stunden Bildschirm oft nicht. Wer den Kopf hebt und das Kinn vorschiebt, um den Monitor scharf zu bekommen, merkt das abends im Nacken.

⚠️ Die Arbeitsplatzbrille ersetzt die Gleitsichtbrille nicht, sie kommt dazu. Und sie ist nicht zum Autofahren gedacht: Sie ist auf kurze Entfernungen gerechnet, in der Ferne siehst Du damit unscharf. Zwei Brillen für zwei Aufgaben — das ist keine Verkaufsmasche, sondern der Grund, warum es beide gibt.

Was wir nicht machen

Die arbeitsmedizinische Vorsorge selbst führen wir nicht durch. Sie ist Sache des Betriebsarztes oder einer Ärztin mit arbeitsmedizinischer Fachkunde — dort wird auch festgestellt, ob eine normale Brille für Deine Bildschirmarbeit ausreicht. Wir machen das, was danach kommt: die Sehstärke, die Abstände, das Glas und die Fassung.

Das ist Sehstärke — kein Screening

Die Arbeitsplatzbrille gehört zur ausführlichen Augenprüfung: Es geht um Deine Sehstärke und um Deine Arbeitsentfernungen. Mit dem medizinischen Screening hat sie nichts zu tun — Augeninnendruck und Netzhaut schauen wir dort an, nicht hier. Beides an einem Tag geht, es sind aber zwei verschiedene Termine.

Miss einmal nach, wie weit Dein Bildschirm steht

Bring die Zahl mit — den Rest machen wir im Termin.

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