Sehen

Kantenfilter: wenn Blendung mehr stört als Helligkeit

Eine Sonnenbrille macht alles dunkler. Ein Kantenfilter schneidet ein bestimmtes Stück des Lichts ganz ab und lässt den Rest fast ungedämpft durch. Für manche Augen ist das der Unterschied zwischen „zu grell“ und „angenehm“ — für andere bringt es nichts. Bei uns findest Du das im echten Licht heraus, nicht am Reißbrett.

Was ein Kantenfilter ist

Jedes Glas lässt Licht durch — mehr oder weniger, je nach Farbe des Lichts. Eine normale Tönung dämpft alle Farben ungefähr gleich stark. Ein Kantenfilter tut etwas anderes: Er sperrt das kurzwellige Licht (Violett, Blau, je nach Filter auch Grün) bis zu einer Kante fast vollständig und lässt alles darüber durch.

Schematisches Diagramm: Eine normale Tönung lässt über alle Wellenlängen gleich wenig Licht durch, ein Kantenfilter sperrt bis zu einer Kante und lässt darüber das meiste durch
Schematische Darstellung, keine Messkurve: Die Wellenlänge des Lichts steht unten (Violett und Blau links, Rot rechts). Eine Tönung senkt alles gleich ab (grau gestrichelt), ein Kantenfilter sperrt bis zur Kante und öffnet dann (grün). Wo die Kante liegt, unterscheidet die Filter.

Unsere Filter heißen K450, K511, K527, K550, K585 und K650. Die Zahl gibt an, wo die Kante liegt. Als Faustregel gilt: Je höher die Kante, desto mehr Licht wird abgeschnitten — und desto kräftiger die Färbung. Die Palette reicht von blassem Gelb bis zu dunklem Braun und Rot.

Der Preis dafür ist der Farbeindruck. Durch einen Kantenfilter sieht die Welt wärmer aus, bei hohen Kanten deutlich gefärbt. Daran gewöhnt man sich, aber nicht jeder mag es — ein Grund, warum wir nichts verkaufen, was Du nicht vorher getragen hast.

So sieht das aus: Schieb den Regler von der schwächsten bis zur stärksten Kante und sieh, wie sich Farbe und Helligkeit im Laden verändern.

Unser Laden in Saarbrücken bei Tageslicht, mit einem Schieberegler durch die Kantenfilter abdunkelbar
Berechnete Darstellung, kein Foto durch ein Brillenglas. Das Auge gleicht Helligkeit und Farbe teilweise selbst aus, das Bild zeigt das nur vereinfacht. Eigene Berechnung nach den Kurven von Kaps Vision.

Für wen er in Frage kommt

Kantenfilter werden seit Jahren in der Low-Vision-Versorgung eingesetzt, zum Beispiel in diesen Ausgangslagen:

Wo Kantenfilter eingesetzt werden

Wichtig: Es gibt keine Regel, welcher Filter zu welcher Erkrankung passt. Genau deshalb probieren wir aus. Und wir stellen keine Diagnose — ob Deine Augen eine Erkrankung haben, klärt die Augenärztin oder der Augenarzt. Wir sind Augenoptiker: Wir sehen, wie Du mit dem Licht zurechtkommst, und suchen dazu das Glas.

Erst testen, dann kaufen

Wie stark Dich Blendung stört, verändert sich mit Wetter, Tageszeit und Umgebung. Unter der Ladenbeleuchtung ist das kaum zu beurteilen. Deshalb läuft es bei uns so:

  1. Gespräch. Wann blendet es Dich? Draußen, beim Lesen, im Auto als Beifahrer, am Bildschirm? Was hast Du bisher probiert?
  2. Testgläser. Wir haben alle Filter zum Testen vor Ort da. Du gehst damit vor die Tür — in die Sonne, in den Schatten, in den Hauseingang — und sagst, was sich besser oder schlechter anfühlt.
  3. Entscheidung. Manchmal reicht der schwächste Filter, manchmal ist ein kräftigerer besser. Und manchmal ist die ehrliche Antwort, dass es Dir nichts bringt.
  4. Gläser in Deiner Stärke. Erst dann bestellen wir — in Deiner Sehstärke, als Einstärken-, Gleitsicht- oder Bürogläser.
Vier runde Kantenfilter-Testgläser von hellgelb über orange und rot bis dunkelbraun, aufgestellt vor weißem Hintergrund
Testgläser mit steigender Kante, von blassem Gelb bis zu dunklem Braun. Bild: Kaps Vision Brillenglas GmbH

Welche Gläser es gibt

Unsere Kantenfilter kommen von Kaps Vision, einem Hersteller für Sondergläser. Es gibt sie in den Kanten K450, K511, K527, K550, K585 und K650, zusätzlich mit brauner Tönung und mit Polarisation (NuPolar). Die Kurven zeigen, wie viel Licht bei welcher Wellenlänge durchkommt:

Durchlasskurven der Kantenfilter K450 bis K650: Bei jedem Filter steigt die Durchlässigkeit ab seiner Kante steil auf über 90 Prozent, je höher die Nummer, desto weiter rechts liegt die Kante
Durchlasskurven der Standard-Kantenfilter. Quelle: Kaps Vision Brillenglas GmbH
Durchlasskurven der Kantenfilter K511, K527 und K550 mit 60, 80 und 90 Prozent brauner Tönung: Die Kurven steigen flacher an und erreichen erst im roten Bereich hohe Werte
Mit brauner Tönung: mehr Blendschutz, weniger Licht insgesamt. Quelle: Kaps Vision Brillenglas GmbH
Durchlasskurven der Kantenfilter K511, K527 und K550 mit NuPolar-Polarisation und 80 Prozent Braun: Die Durchlässigkeit bleibt bis in den roten Bereich unter 25 Prozent
Mit Polarisation (NuPolar): sehr dunkel, gedacht für starke Blendung im Freien. Quelle: Kaps Vision Brillenglas GmbH

Für Sonderfälle, etwa sehr hohe Stärken, Prismen oder ein Glas mit eingebauter Vergrößerung, sag uns, was Du brauchst — wir sagen Dir, was möglich ist.

Die Preise nennen wir Dir im Termin, denn sie hängen von Stärke, Glasart und Filter ab.

Kantenfilter oder Polarisation?

„Blendung“ ist nicht gleich Blendung. Ein Kantenfilter und ein Polarisationsfilter lösen zwei verschiedene Dinge, und bei manchen Augen braucht es beides.

Der Unterschied in kurz

  • Kantenfilter: sperrt den kurzwelligen Anteil des Lichts (Violett, Blau, je nach Kante auch Grün). Hilft, wenn Dich helles Streulicht und ein „Grauschleier“ stören.
  • Polarisationsfilter: nimmt Spiegelungen weg, zum Beispiel von nasser Straße, Wasser, Schnee oder einer Motorhaube. Hilft, wenn Dich zurückgeworfenes Licht blendet.
  • Beides zusammen gibt es als Kombination (NuPolar mit Kante), immer mit brauner Tönung und deshalb recht dunkel.

Zwei Dinge solltest Du vorher wissen: Durch polarisierte Gläser können Handy-, Computer- und Auto-Displays dunkel oder gestreift aussehen. Und die dunkelste Kombination ist nichts für Dämmerung und Nacht, wie bei den kräftigen Kanten (siehe Autofahren unten). Auch das probieren wir zusammen aus, bevor Du bestellst.

Autofahren

Kantenfilter sind meist nichts für die Dämmerung und die Nacht

Getönte Gläser mit weniger als 75 Prozent Lichtdurchlässigkeit gelten nicht als geeignet für das Fahren bei Dämmerung und bei Nacht, sehr dunkle Filter überhaupt nicht für den Straßenverkehr. Bei den kräftigeren Kanten ist das der Regelfall. Frag uns, bevor Du damit ans Steuer gehst — wir sagen Dir bei jedem Filter, wofür er zugelassen ist.

Was wir nicht versprechen

Ein Kantenfilter ist kein Heilmittel und ersetzt keine Behandlung. Er kann die Blendung dämpfen und den Kontrast verbessern, er verändert aber nichts an einer Erkrankung. Ob bei Dir etwas abgeklärt werden sollte, sieht die Augenärztin oder der Augenarzt. Wenn Du Dir nicht sicher bist, wann Du zuletzt bei einer Untersuchung warst, schau bei unserer Vorsorge vorbei.

Und noch etwas Ehrliches: Bei vielen Menschen ist ein einfacher Wechsel zu einer guten Entspiegelung oder einer Sonnenbrille mit Polarisation der bessere erste Schritt. Wir sagen Dir das, wenn es so ist.

Probier die Kanten im echten Licht aus

Ein Termin, mehrere Testgläser, ein Gang vor die Tür.

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